Wie wird man Hörspiel-Regisseur? Deezer Interview mit Matthias Kapohl

Posted by thetje | 4. Juli 2019 | News, Podcasts
Der Ausnahmezustand Deezer Originals Hörspiel

Hast du schon in unser erstes Deezer Originals Hörspiel Der Ausnahmezustand reingehört (Hier geht’s zum Blogartikel über Der Ausnahmezustand)? Dann ist es Zeit, dies sofort nachzuholen! In insgesamt acht Folgen die nach und nach veröffentlich werden entspinnt sich ein spannender Krimi rund um die Themen Terrorismus, Klimawandel und Korruption. Damit ist Der Ausnahmezustand in den Zeiten von Fridays for Future und Greta Thunberg futuristisch und gleichzeitig hochaktuell.

Für die Sprecher-Rollen konnten wir wirklich tolle Krimi-Spezialisten gewinnen. Stichwort Tatort: Peter Davor, Susanne Wolf, Husam Chadat, Peter Jordan, Elisa Schlott, Lars Rudolph, Marleen Lohse. Lust auf eine dunkle Serie? Dann Hör jetzt rein in Der Ausnahmezustand.

Interview mit Matthias Kapohl

Falls du dich schon immer mal gefragt hast, wie man man Hörspiel -Regisseur wird, dann findest du die Antwort in unserem Interview mit dem Regisseur von Der Ausnahmezustand, Matthias Kapohl. In unserem Gespräch gab er uns Einblicke in seine Arbeit und verriet uns, warum der Klang seiner Heiztherme in vielen seiner Hörspiele zu hören ist. Du willst wissen, wie es ist, vor dem Mikrofon zu stehen? Dann lies unser Interview mit Schauspieler Peter Davor.

Wirf einen Blick hinter die Kulissen der Aufnahmen von Der Ausnahmezustand.

Deezer: Wie wird man Regisseur für Hörspiele?

Matthias Kapohl: Klingt wie ein Klischee, ist aber so. Ich habe schon früher immer gerne Drei ??? und TKKG und all diesen Kram gehört. Und ich wurde von meiner Schwester gezwungen, bei Benjamin Blümchen Kassetten mitzulauschen, weil wir uns ein Kinderzimmer geteilt haben. Dann wurde während meines Studiums Germanistik und Theaterwissenschaften in Köln die Stelle für die studentische Hilfskraft im Bereich Hörspieldramaturgie des WDR frei. Da habe ich zugegriffen und bin von dort als Regieassistent freiberuflich auch für größere WDR Produktionen gebucht worden. Irgendwann habe ich angefangen, auch eigene Stücke, Hörspiele zu schreiben, Romane zu Hörspiele zu bearbeiten und mit diesen Stoffen dann auch meine eigenen Inszenierungen und Regiearbeiten abzuliefern. Das war mein Weg zum Hörspiel.

Mit welchen Mitteln erzählt man Geschichten, die man nicht sehen kann?

Im Hörspiel Dinge zu zeigen, die man eigentlich sehen muss, ist nicht einfach. Auch wenn man alles nur hören kann, was erzählt werden soll, gibt es Mittel, Dinge zu zeigen, die eigentlich optisch sind. Zum Beispiel Entfernungen – wie weit ist jemand weg, wenn man ihm etwas zuruft – das kann man hören. Vieles geht auch über die Klangebene, das Sounddesign. Ich würde sogar behaupten, dass es möglich ist, Licht akustisch hörbar zu machen, das abzubilden, Licht und Dunkelheit. Aber letztendlich kommt es immer auf ein gutes Skript drauf an. Viele Anfänger, die für Hörspiel schreiben, schreiben dann solche Dinge wie: „Hey Peter, komm vorbei, wir müssen jetzt in dieses grüne Haus gehen.“ Nur damit der Hörer dann weiß, dass es ein grünes Haus ist. Solche Informationen werden in guten Hörspiel-Skripten besser verpackt. Da muss man sehr drauf achten, weil so etwas turnt ab und fällt auf. Wer öfter Hörspiele hört, der merkt sehr schnell, wann ein Drehbuch gut geschrieben ist und wann nicht.

Wie bereitest du dich auf ein Hörspiel vor?

Am Anfang jeden Hörspiels steht für mich die Arbeit mit dem Autor oder der Autorin im Vordergrund. Ich möchte hören, welche Bilder, welche Figuren, welche Charaktereigenschaften er oder sie zu dem Skript im Kopf hatte, die jetzt dort gar nicht mehr auffindbar sind. Im Prinzip sollen mir Informationen aus erster Hand geliefert werden. Das kann vom Autor, der Autorin kommen, manchmal ist es auch ein Redakteur, eine Redakteurin oder auch die Redaktionsseite, die das Skript eingekauft hat. Die Informationen nehme ich mit in meinen Prozess des Lesens dieses Skriptes. Ich versuche dann selber, den Figuren nahe zu kommen und so eine Grundstimmung herauszufinden, die in dem Stück für mich transportiert werden soll. Darauf baue ich langsam auf. Ich erinnere mich an Musik, die passen könnte. Ich mache mir Gedanken über die Schauspieler, welche Rolle passt gut zu wem. Und so ist das wie ein Setzkasten, mit dem ich versuche, einzelne Zutaten zu finden und zusammenzuführen. Im besten Fall passen die am Ende dann auch gut zusammen.

Wie wählst du die Schauspieler und Schauspielerinnen aus?

Das Casting findet im besten Fall mit einem Kollegen von mir statt, der viele sehr gute Schauspieler aus vielen Produktionen kennt. Wir werfen erstmal für ganz viele Rollen jede Menge Namen in den Raum. Dann überlegen wir, was das für ein Charakter ist. Ist der schroff, verletzlich, ist der aggressiv, jung, alt. Von Vorteil ist es natürlich zu wissen: Was kann dieser Schauspieler? Ist er in der Lage, hohe emotionale Amplituden zu spielen, von zutiefst betrübt zu himmelhoch jauchzend. Dann geht es an die Auswahl, mit den Hauptrollen fangen wir an und arbeiten uns dann langsam zu den Nebenrollen vor. Es ist sehr wichtig, dass die Chemie zwischen den Hauptrollen stimmt. Wichtig ist aber auch, dass die Nebenrollen sehr gut besetzt sind. Das wird gerne mal vernachlässigt. Aber eine Nebenrolle, die schlecht besetzt ist, kann dir das ganze Projekt zerhauen. 

Wie entsteht das Sounddesign?

Sounddesign entsteht unter anderem mit Geräuschen, die wir während der Aufnahmen schon machen. Fast alle Geräusche, die am Körper stattfinden, wie ein Handy aus der Tasche nehmen, etwas trinken, Schritte, Küsse, Schläge. Alles was den Körper direkt betrifft, machen wir während der Aufnahmen mit den Schauspielern. Wenn es um Autogeräusche, Natur, Wald, Polizei geht, dann greifen wir auf Datenbanken zurück. Ich habe mittlerweile auch sehr viele Geräusche selber gesammelt. Die nehme ich selbst auf und nutze sie zum Teil wie einen kleinen Stempel, ein Wasserzeichen in allen möglichen Hörspielen und Produktionen, Freunde von mir wissen dann schon: Das ist wieder die Heiztherme aus Matthias Küche. Die klingt auch einfach sehr gut für Wohnungen, in denen ja oft nichts stattfindet. Ich will aber trotzdem hören, dass es ein Raum ist, dass etwas passiert, und deswegen nehme ich das Geräusch einfach sehr gerne. Also, wie gesagt, selbst gemacht, selbst aufgenommen oder Datenbank.

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