5 Minuten mit Brett Anderson, Suede

Posted by | 18. März 2013 | Uncategorized

Erst am Freitag erschien Bloodsports, das Comeback Album der Britpop Heroen Suede. Unfassbar, dass es nun schon knapp 20 Jahre her ist, dass sie mit Songs wie ‚Animal Nitrate‚ oder ‚Beautiful Ones‚ in der selben Liga wie Blur oder Oasis spielten. Doch während Oasis wohl nie wieder eine Bühne teilen werden und Blur es nur noch bei entsprechender Börse tun, sind Suede weiter aktiv. Wir haben uns mit Brett Anderson getroffen, um darüber zu sprechen, was sich über die Jahre bei Suede verändert hat und warum er während der Aufnahmen zu Bloodsports „aufgeben und einfach alles hinschmeißen“ wollte…

Wie würdest du ‚Bloodsports‘ beschreiben?

Ich glaube es ist eine sehr intensive Platte geworden. Eigentlich ist es ein klassisches Suede Album. Es hat sehr intensive Momente, es gibt viele Melodien, eine Menge Noise – aber es steckt auch eine Menge Schönheit darin. Es ist ein Album über die Mühen und Schlachtfelder von Beziehungen. Ich glaube, das Wort, dass das Album auf den Punkt bringt ist Intensität.

Du hast gesagt, dass dues wohl das schwerste Album war, dass du je aufgenommen hast. Warum war es so schwer?

Ich glaube es war so schwer, weil du nach 10 Jahren zurück kommst und du die Balance finden musst, zwischen nach dir selbst zu klingen und gleichzeitig frisch und aktuell. Wenn du nach so einer langen Pause wieder da bist, musst du vieles neu lernen. Du musst wieder mit deinen Bandmitgliedern zusammenfinden und du musst wieder lernen, was es bedeutet in dieser Band zu sein. Ich glaube also, dass es zum Großteil wirklich darum ging, die Chemie zwischen uns wieder zu finden. Du trägst auch die Last der Vergangenheit mit dir. Suede haben über die Jahre einige wirklich gute Platten aufgenommen, einige wirklich gute Songs geschrieben und ich wollte niemanden enttäuschen, vor allem nicht mich selbst. Ich wollte, dass es der Sound mit dem unserer Vergangenheit aufnehmen kann. Hab ich den Druck gespürt? Sicher, aber es war der selbe Druck, den man immer spürt, wenn man ein neues Album aufnimmt, den Druck aus Nichts etwas wunderbares zu erschaffen. Druck ist immer da, es spielt keine Rolle wie viele Leute dein Album anhören – oder auch nicht – du versuchst immer dein Bestes zu geben. Es ist ein Kampf mit dir selbst. Wenn du keinen Druck hast, wenn du ein Album aufnimmst, läuft etwas schief. Du brauchst den Druck, um es richtig zu machen.

Ed Buller (Produzent der ersten 3 Suede Alben) hat eine Menge der Songs, die du für das neue Album geschrieben hattest verworfen – war das schwer zu verdauen?

Ja, das war es wirklich. Es gab einige Momente, während den Aufnahmen zu diesem Album, in denen ich daran dachte aufzugeben und alles hinzuwerfen, aber wenn du jemandem vertraust und mit ihm arbeiten willst, musst du auch seine Meinung akzeptieren. Ed gehört zur Familie – er kann uns Dinge sagen und wir ihm, die andere als beleidigend empfinden würden, bei uns ist es wie eine Zankerei am Esstisch – du kannst etwas sagen und es ist schnell wieder vergessen. Es ist einfach Teil unserer Art der Zusammenarbeit. Er war ehrlich genug eine Menge unserer Sachen abzulehnen und das fiel uns richtig, richtig schwer, aber wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich sehr froh, dass er es getan hat, denn ohne Ed würde die Platte ganz anders klingen. Er hat den Sound des Albums maßgeblich mit beeinflusst und ich habe einen riesen Respekt für ihn.

Warum glaubst du, dass eure Musik nach all den Jahren noch immer relevant ist?

Hmm… ich bin froh, dass es so ist! Ich glaube am Ende des Tages geht es um das Songwriting. Ein großartiger Song, bleibt ein großartiger Song. Aus welcher Zeit er stammt spielt keine Rolle. Für mich waren Suede nie eine Band, die auf Trends aufgesprungen ist, oder sich die neusten Klamotten gekauft hat, um wie die coolen Kids um die Ecke zu wirken. So war das noch nie – im Kern ging es uns schon immer darum Songs zu schreiben, die Menschen bewegen. Wenn du das gut machst, hat das etwas zeitloses. Die Dinge, über die ich 1992 gesungen habe, sind heute immer noch relevant für mich – I habe über Einsamkeit, Sex, Isolation, Zerfall und Armut gesungen, und all das bedeutet Menschen heute immer noch etwas. Wenn wir die alten Songs heute live spielen, fühle ich mich auf keinen Fall nostalgisch, es fühlt sich nicht so an, als spielten wir Songs, die vor 20 Jahren geschrieben wurden – es fühlt sich einfach an, als spielten wir einen großartigen Song.

Haben sich deine Einflüsse in der Zeit, in der du weg warst, verändert?

Meine persönlichen Einflüsse haben sich dahingehend verändert, dass es neue Bands gibt, die ich mag. Es gibt immer jemanden auf der Welt, der interessante Musik macht. Wenn du dem nicht offen gegenüber bist, solltest du dir Gedanken machen, was du tust. Ich glaube es ist Teil des kreativen Prozesses, Dinge aufzunehmen um andere raus zu lassen. Ich mag eine Menge Bands; Interpol und The Horrors, und Foals und interessante Leftfield Gitarrenbands. Bat For Lashes, These New Puritans, solche Sachen.

In der Vergangenheit ist es euch schwer gefallen, den Status der Band zu akzeptieren. Heute scheint ihr euch damit abgefunden zu haben und ihr spielt die größeren Venues – was hat sich geändert?

Ich glaube wir fühlen uns heute sicherer in solchen Venues zu spielen, weil wir wissen, dass wir auf solchen Bühnen eine große Show abliefern können – so einfach ist das. Wir haben Suede immer runtergespielt, auch als wir unseren kommerziellen Höhepunkt erreicht hatten und Millionen von Alben verkauften. Selbst 1996-97, als wir ‚Coming Up‘ veröffentlichten und es auf 1 ging und 5 Top 10 Singles hatte, haben wir ein paar Abende im Roundhouse anstatt der Wembley Arena gespielt. Wir hatten das Gefühl, dass das Live-Erlebnis in solch großen Venues nicht funktionieren würde, aber ich glaube je mehr du live spielst, desto sicherer wirst du. Dann kannst du in größerer Hallen wachsen und du weißt, was du machen musst. Es geht nur um das Gefühl. Ich glaube wir sind heute eine bessere Live-Band, wie jemals zuvor.

Du hast angedeutet, dass es mehr neues Material von euch geben könnte – was können wir von Suede in der Zukunft erwarten?

Ich glaube wir müssen zunächst sehen, wie zufrieden wir mit dem Album sind, wenn sich der Staub gelegt hat, bis wir irgend etwas versprechen können. Aber mir gefällt der Gedanke, dass wir mehr Musik machen können – das war das großartigste Gefühl an der Entstehung des neuen Albums, jetzt weiß ich, dass Suede neue Musik machen können. Davor habe ich das nicht gewusst. Das war eine riesen Offenbarung für mich, vor diesem Album bestand ja die Möglichkeit, dass wir überhaupt keine anständigen Songs mehr zusammen schreiben können, jetzt weiß ich aber, dass es geht. Man muss damit sehr sorgsam umgehen, wenn man die kreative Chemie findet, die mit einigen Leuten oder nur einer Person funktioniert, sollte man sie nicht einfach wegwerfen. Das passiert ja auch nicht mit Jedermann – es ist ja nicht so, als kann ich einfach einen Typen von der Straße holen und mit ihm ein großartiges Album schreiben, also muss man das respektieren. Also würde ich gerne noch ein paar gemeinsame Alben machen.

Hör dir Suedes neues Album Bloodsports jetzt auf Deezer an.

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